Nachruf auf einen Kollegen und Freund


Wir trauern um unseren Kollegen und Freund

Ralf M. König †

22.6.1987 – 10.3.2017

 

In Neustadt an der Weinstraße geboren, zog es Ralf König nach seinem Abitur 2006 nach Mainz, um an der dortigen Johannes Gutenberg Universität Mittlere, Neuere und Neueste Geschichte sowie Deutsche Philologie zu studieren. Sein Studium schloss er 2012 mit einer Magisterarbeit zum Thema "Die politische Integration der Departements Hanau und Fulda in das Großherzogtum Frankfurt (1810 –1813)" erfolgreich ab. 2013 veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Arbeit in den Fuldaer Geschichtsblättern.

Sein Herz schlug für die Geschichte, sodass ein weiterer Weg in der Wissenschaft folgerichtig war. Ab Mai 2014 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im deutsch-französischen Projekt „Politische Korruption: Praktiken der Begünstigung und öffentliche Debatten in Deutschland und Frankreich (19. – 20. Jahrhundert)“ an der TU Darmstadt. Mit großer Energie widmete er sich seinem Dissertationsvorhaben „Debatten über unmoralisches Geld in der deutschen Kriegsindustrie 1914 – 1921“. Dabei fand er Zeit, weiterhin zur Regionalgeschichte beizutragen, als wissenschaftlicher Autor und als Vermittler. Sein Talent, gepaart mit Arbeitseifer, Fleiß und Disziplin, zeichnete ihn als vielversprechenden Nachwuchswissenschaftler aus.

Über das Fachliche hinaus war Ralf König vor allem menschlich eine besondere Bereicherung im Institut für Geschichte. Für den stets lebensbejahenden, ausgeglichenen Menschen waren kollegiale Tugenden wie Freundlichkeit, Zugewandtheit und vor allem Hilfsbereitschaft eben keine Floskeln, sie waren täglich gelebte Eigenschaften. War er anwesend, herrschte eine angenehme Atmosphäre im Büro. Hatte man ein Anliegen, so hörte er mit echtem Interesse an seinem Gegenüber zu. Und wenn irgendwo mit angepackt werden musste, war er stets zur Stelle. All dies machte Ralf König zu einem allseits hoch geschätzten Kollegen – und Freund.

Selbst als er erkrankte, verlor Ralf König nicht seine positive, offene Art. Er ließ sich nicht davon abhalten, weiter an seiner Dissertation zu arbeiten. So gerne – und sicherlich sehr erfolgreich – hätte er diese noch abgeschlossen. Ralf König war tapfer und stark. Am Ende jedoch war die Krankheit schneller. Am 10. März 2017 ist Ralf König in Wiesbaden verstorben.

Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit. Wir trauern um einen wundervollen Menschen, der uns allen sehr fehlt.

 

Andrea Perthen / Jens Ivo Engels

 


Ralf M. König geb. Schumacher, M.A.


Projektbeschreibung


 

Debatten über unmoralisches Geld in der deutschen Kriegsindustrie 1914-1921

 „Die Dividenden steigen, die Proletarier fallen“: Dieser Ausspruch Rosa Luxemburgs bringt den typischen Kriegsgewinnler-Vorwurf, der von 1914 bis über den Untergang des Deutschen Kaiserreiches hinaus vielfach erhoben wurde, mehr oder weniger auf den Punkt. In der Tat erzielten viele Akteure kriegswichtiger Wirtschaftsbranchen enorme Profite durch Heereslieferungen, die in schroffem Gegensatz zu den Entbehrungen der einfachen Bevölkerung und der Frontsoldaten standen. Neben der Bewucherung der Heeresverwaltung wurden auch andere vermeintliche oder tatsächliche Geschäftspraktiken öffentlich angeprangert: etwa die heimliche Belieferung der Entente über neutrale Staaten, Lohndrückerei oder die Bestechung von Militärbeamten, um bei der Vergabe von Produktionsaufträgen bevorzugt zu werden. Im Gegenzug wurden die Industriellen staatlicherseits seltener sanktioniert als vielmehr mit Verdienstorden ausgezeichnet. Doch geschah dies völlig zu Unrecht? Oder trugen Unternehmensleitungen mit ihrer Geschäftstüchtigkeit und Anpassungsbereitschaft sowie ihren Spenden doch mehr zum Gemeinwohl bei, als öffentlich wahrgenommen wurde? Hier prallten Wertehorizonte aufeinander, die schwerlich miteinander in Einklang zu bringen waren. Meine Arbeit soll erläutern, wie, wann, zwischen wem und mit welchen Folgen unter den Bedingungen des sogenannten Burgfriedens und des gesetzlichen Belagerungszustands über ‚vaterlandslose‘ Unternehmer diskutiert wurde. Neben diversen Skandalisierungsversuchen in der Presse werden hierbei auch eingehegte Debatten in Politiker- und Juristenkreisen sowie die ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung von Missständen untersucht.

 

 

Korruptionsforschung


Kontakt


Institut für Geschichte

Technische Universität Darmstadt

Fachbereich 2:

Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften            

Landwehrstraße 50a

D-64293 Darmstadt

Telefon: 06151/16-57479

koenig@pg.tu-darmstadt.de

 

3. OG, Raum 309

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